„Potenzierung“ – Was ist das überhaupt?

Sie begegnet einem immer wieder: Die Behauptung, dass die Mittel der Homöopathie keinen echten arzneilichen Effekt erzielen könnten. Eine niedrige Potenzierung wie die D12 sei vergleichbar mit einem Tropfen im Bodensee. 

Was man nicht vergessen darf: Es gibt einen Unterschied zwischen einer reinen Verdünnung und der homöopathisch gebräuchlichen Potenzierung. Und Hahnemann hat diese nicht irgendwie „entwickelt“ oder „erfunden“ sondern ist – wie schon beim Ähnlichkeitsgesetz – eher zufällig über den Effekt verschüttelter Mittel gestolpert. Denn trotz der immer höheren Verdünnung der Ursprungssubstanzen traten wiederholt unerwünscht starke Mittelwirkungen bei seinen Patienten auf. 

Homöopathie - der Tropfen im Bodensee?

Potenzierung ist nicht das Gleiche wie Verdünnung.

Hahnemann war ein Wissenschaftler. Er war approbierter Arzt, arbeitete als Amtsarzt und war gelernter Pharmazeutiker. C.W. Hufeland nannte Hahnemann „den besten Chemiker unter den damaligen Ärzten“. Die Universität Wilna bot ihm eine Professur in Chemie an.

Kein Arzt hatte sich zuvor so intensiv mit der Arzneimittelforschung auseinandergesetzt. Er ging sehr akribisch und strukturiert vor, dokumentierte jeden Schritt schriftlich und testete jede neue Entdeckung über Jahre hinweg immer wieder auf ihre Wirkung.

Nachdem Hahnemann das Ähnlichkeitsgesetz erkannt hatte, arbeitete er zunächst weiterhin mit Pulvergaben aus getrockneten und geriebene Pflanzenteilen. Diese riefen aber oft starke Erstreaktionen und Prüfsymptome hervor: die vorhandenen Symptome wurden zunächst ungleich stärker als vor der Arzneimittelgabe („Erstverschlimmerung“) und zum Teil traten neue Symptome in bedrohlicher Intensität auf („Arzneimittelprüfung“) bevor die Heilung erfolgte.

Mörser, zur Verreibung.

Hahnemann arbeitete zunächst mit Pulvergaben aus gemörserten Pflanzenteilen. Später verdünnte er sie zu einer „starken Auflösung“.

Um diese unerwünschten Arzneireaktionen zu umgehen und die arzneiliche Wirkung giftiger Ausgangsstoffe (wie z.B. der Tollkirsche) therapeutisch nutzen zu können, fing Hahnemann an, die Arzneien schrittweise zu verdünnen. Er zerkleinerte/zerrieb die Pflanzenteile, presste sie durch ein Tuch und ließ sie trocknen. Den gewonnenen Extrakt löste er in Wasser/Alkohol auf und stellte so eine „starke Auflösung“ (= Urtinktur) her.

Eine Weile arbeitete er mit diesen Urtinkturen. Doch auch diese wirkten noch zu intensiv. So verdünnte er sie weiter durch zufügen von destilliertem Wasser und Weingeist. Die Zutaten wurden nach jedem Verdünnungsschritt „durch fleißiges Schütteln wohl vereinigt“ oder auch „durch minutenlanges Schütteln innig vereinigt“ wie Hahnemann selbst schriftlich festhielt.

Die Tollkirsche - Belladonna.

Die Tollkirsche – Belladonna – war eine der ersten Arzneien die Hahnemann, um sie ohne Gefahr therapeutisch verwenden zu können, „verdünnte“.

Dabei handelte es sich auch in seinen Augen zunächst tatsächlich nur um ArzneiVERDÜNNUNGEN. Hahnemann schüttelte seine Lösungen nur deshalb, um sie zu effektiv zu vermischen.

Mit diesen „verdünnten“ Arzneien behandelte er beispielsweise Scharlach erfolgreich und wurde so in seiner Vorgehensweise bestätigt.

Arsenicum album war eines der gefürchtetsten Gifte dieser Zeit. Daher ist es nicht verwunderlich, dass Hahnemann diesen Stoff besonders hoch „verdünnte“ bevor er es wagte ihn arzneilich einzusetzen. Im Jahr 1800 stellte er daraus eine Verdünnung von einem „Zehnmilliontheil“ (entspricht der C3), später sogar bis zu 1/400.000billiontel (entspricht der C6) her. Dies liegt weit jenseits des toxikologischen Wirkbereichs.

Arsenopyrit Kristalle (Arsenstein)

Arsen, ein Halbmetall und Nebenprodukt des Abbaus anderer Metalle, war eines der gefürchtetsten Gifte zu Hahnemanns Zeit.

Die molekularen Grenzen derartig hoher Verdünnungen waren jedoch zu Hahnemanns Zeiten noch unbekannt und so verließ er sich rein auf die dennoch starke Wirkung, welche diese Arzneien im Praxistest immer wieder zeigten.

Er schrieb darüber: „… wenn nun der Arsenik (so wie jede andre sehr kräftige Arzneisubstanz) blos durch Verkleinunge der Gabe am besten so mild werden kann, daßs sie dem Menschen nicht mehr gefährlich ist, so hat man ja blos durch Versuche zu finden, bis wie weit die Gabe doch großs genug, um ihr volles Amt als Heilmittel der für sie gehörten Krankheiten zu vollführen.“ Sein Ziel war es, „den stärksten Mann“ durch solch eine Gabe zu heilen, während dieselbe Gabe bei einem gesunden Kind kaum eine Wirkung erzielen sollte. Dies sei eine Aufgabe die bloß durch tausendfache Erfahrungen und Versuche gelöst werden könne.

Hahnemann bereitete seine Arzneiverdünnungen in schrittweisen Verdünnungsreihen zu, wobei er nach jedem Verdünnungsschritt schüttelte, um die Lösung zu homogenisieren.

Die überraschende Erkenntnis Hahnemanns bei diesem Prozess war, dass bereits vorher schon wirksame Arzneistoffe mit jeder Potenzierungsstufe sogar noch tiefgreifender wirkten:

…die Erfahrung zeigt, daßs jeder Tropfen dieser so zubereiteten – blos Mischung und Verdünnung erscheinenden – Flüssigkeit so kräftig geworden, dass er fast dieselbe Stärke von Arzneikraft im menschlichen Körper äußern kann, als der Tropfen der anfänglichen koncentrierten Tinktur“. Reine Arzneimittellehre, 1. Auflage, Band 6 (Jahr 1811-1821)

Später hielt er fest:

Da fand ich dann, daßs selbst die höhern Verdünnungen, z.B. die decillionfache, oder gar wohl die vigesillonfache Verdünnung… nicht etwa schwächer an Kraft… wohl gar zur völligen Kraftlosigkeit, zum Nichts herabgesunken – NEIN! Im Gegenteil, an lebensbaumarzneilicher Wirkung eher stärker und stärker geworden waren.“ Reine Arzneimittellehre, 2. Auflage, Band 5 (1825-1827)

Und erst nach diesen Beobachtungen begann Hahnemann, sich von dem bisher gebrauchten Betriff der Verdünnung zu distanzieren. Er schuf, in Ermangelung eines passenden deutschen Wortes, den Begriff der „Potenzierung“ (abgeleitet von dem lateinischen Wort „Potenz“ = Kraft, Stärke), um auszudrücken, dass die Steigerung der homöopathischen Wirksamkeit durch die Verschüttelung und Verreibung – also die Potenzierung – hervorgerufen wird.

Sogar eigentlich arzneilich völlig unwirksame Ausgangsstoffe wie das Kochsalz entfalten durch die Potenzierung ihre ganz eigene arzneiliche Wirksamkeit.

Einfaches Kochsalz (NaCL)

Das Kochsalz wird erst durch die Potenzierung zu einer kraftvollen Arznei, die homöopathisch z.B. gegen Kummer eingesetzt wird.

Hahnemann erklärte sich diese unfassbare Entdeckung mit einer den Arzneistoffen innewohnenden geistig-dynamische Kraft, die durch das potenzierungsverfahren freigesetzt würde, weshalb man statt Potenzierung auch Dynamisierung sagt.

Doch letztlich musste er sich einfach auf seine jahrelangen Versuche, Beobachtungen und Heilerfolge verlassen. 1835 erklärt Hahnemann:

[…] Ich fordre gar keinen Glauben dafür, und verlange nicht, daß dieß Jemandem begreiflich sey. Auch ich begreife es nicht; genug aber, die Thatsache ist so und nicht anders. Bloß die Erfahrung sagt’s, welcher ich mehr glaube, als meiner Einsicht.“

 

 


yvonnebach

Yvonne Bach. Gesundes Futter und Tierhomöopathie.

Ich bin Yvonne Bach, Tierhomöopathin und Gründerin des Tierhomöopathie-Blog. In meinem Hofladen (77866 Rheinau) verkaufe ich BARF-Fleisch und Zusätze, unbehandelte Kauartikel aber auch hochwertiges Fertigfutter für Hunde und Katzen.

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Schreib mich gerne an:
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Bildquellen:
http://bildagentur.panthermedia.net
Portrait Yvonne Bach: Michael Rosenstiel, Offenburg

Internetquellen abgerufen in KW36/2017: 
http://www.mickler.de/potenzierung.htm
http://www.doktor-quak.de/wp-content/uploads/2014/01/Entwicklung-der-Potenzierung-.pdf (Download eines 32-seitigen PDFs von F. Dellmour: „Die Entwicklung der Potenzierung bei Samuel Hahnemann und nachträgliche Änderungen der Arzneiherstellung“)

5 Gedanken zu “„Potenzierung“ – Was ist das überhaupt?

  1. Sabine Krink schreibt:

    Danke Yvonne für diese sehr verständliche Erklärung! Sehr schön finde ich auch den Schluss, dass Homöopathie keine Frage des „Glaubens“ ist. Sie wirkt. Und allein das zählt. Auch für mich. Ich nutze homöopathische Mittel schon seit über 25 Jahren – für mich, Kind, Hund … alle 😉 Und sie wirken.
    Danke für deine Arbeit!
    Herzensgruß
    Sabine

    Gefällt 1 Person

  2. TierheilpraxisRheinau schreibt:

    Vielen lieben Dank Sabine, für dein Feedback. Wie schön, dass du homöopathische Mittel erfolgreich für euch einsetzt! Ich freue mich sehr, dass dir mein Artikel gefällt und hoffe er kann vielen Menschen Unsicherheiten nehmen und Faszination wecken. Ich finde es bei der Recherche für so einen Artikel selbst immer total spannend wie akribisch Hahnemann damals vorgegangen ist, wie genau er seine Ergebnisse immer und immer wieder geprüft hat.
    Liebe Grüße, Yvonne

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