Schüssler-Salze aus homöopathischer Sicht

Hallo ihr lieben, eigentlich hatte ich ja versprochen das Thema Thuja und Impfungen aufzugreifen. Jedoch brennt mir momentan ein anderes Thema unter den Nägeln, was erst ausgeführt werden will. Ich verspreche, danach kommt Thuja dran. 🙂

In letzter Zeit lese und höre ich häufig: „wir behandeln das homöopathisch mit Schüssler-Salzen“. Was es mit den Schüssler-Salzen auf sich hat, woher sie ursprünglich stammen, ob es sich dabei um Homöopathie handelt und was ich als klassische Homöopathin davon halte, möchte ich hier näher erläutern.

Was man festhalten kann ist, dass es sich bei Schüsslersalzen tatsächlich um einen „Ableger“ der ursprünglichen homöopathischen Lehre handelt.

Ein paar Informationen zur Homöopathie

Die Anwendung der Arzneien nach dem Prinzip „Ähnliches werde mit Ähnlichem geheilt“ nannte Hahnemann 1807 erstmals „Homöopathie“.
Ursprünglich um giftige Ausgangsstoffe wie z.B. Belladonna (die Tollkirsche) ungefährlich zu machen, verdünnte und verschüttelte Hahnemann sie nach einem bestimmten Prinzip. Dabei entdeckte er, dass auch im Urzustand arzneilich unwirksame Ausgangsstoffe, wie z.B. Kochsalz (Natrium chloratum) durch diese Potenzierung spezifische Heilwirkungen entwickelten. Deshalb sind alle homöopathischen Arzneien potenziert.

Welches homöopathische Arzneimittel gegen welche Krankheiten wirkt, fand Hahnemann heraus indem er möglichst viele unterschiedliche gesunde Personen diese Arznei solange einnehmen ließ bis sie Symptome entwickeln. Das ist die sogenannte Arzneimittelprüfung. Diese Symptome werden schriftlich erfasst und in den Arzneimittelehren und Symptomverzeichnissen festgehalten. Der homöopathische Weg zum passenden Mittel führt von der Erstanamnese (etwa 2-stündiges Gesprach vor Ort, ggf. mit körperlicher Untersuchung, Beobachten des Verhaltens und dem Zusammentragen aller vorhandenen Symptome), über die Repertorisation (Symptomkombination des betreffenden Patienten) zu den Mitteln, die die meisten dieser Symptome abdecken. Welches von diesen Mitteln am besten zum Patienten passt, schlägt man dann in den Arzneimittellehren nach.

Nun zu den Schüssler-Salzen

1873 (also mehr als 60 Jahre NACH der Entwicklung der Homöopathie) stellte der homöopathische Arzt Wilhelm Heinrich Schüssler „eine abgekürzte Therapie gegründet auf Histologie und Cellularpathologie “ in der Allgemeinen Homöopathischen Zeitung vor. Er nannte die Therapieform „Biochemische Heilweise“. Der Name ist heute nicht mehr so geläufig, man spricht im Allgemeinen von „Schüssler-Salzen“.

Aus den damals etwa 200 verfügbaren homöopathisch potenzierten und geprüften Mitteln aus Mineral-, Pflanzen- und Tierreich hatte er nur zwölf – nach damaligen Erkenntnissen im Körper vorkommende mineralische Salze ausgewählt – und stellte nun die Theorie auf, fehlende Salze in den Zellen könne man mit diesen sogenannten Mineralsalzen wieder „auffüllen“. Aufwändige Arzneimittelprüfungen lehnte er jedoch genauso ab, wie eine umfangreiche Untersuchung und Befragung der Patienten vor der Mittelgabe. Stattdessen führte er die Antlitzdiagnose ein, schloss also von bestimmten Merkmalen im Gesicht auf fehlende Mineralsalze im Körper.

Schüsslers Grundsatz lautete „Fehlendes möge durch Fehlendes ersetzt werden“ 😉

Man kann sich lebhaft vorstellen, dass diese Methode von seinen homöopathischen arbeitenden Kollegen schon damals hart kritisiert wurde. Man sagt, ihm wurde vorgeworfen die Homöopahtie wäre ihm wohl zu kompliziert, als er  „vereinfachte“ Theorie veröffentlichte. Der heftige Schlagabtausch führte 1876 zu Schüsslers Austritt aus dem „Centralverein Homöopathischer Ärzte“.

Schüssler-Salze sind homöopathische Mittel, nur die Philosophie dahinter ist eine andere

Wie man es dreht und wendet. Schüsslersalze werden nicht nach homöopathischen Gesichtspunkten eingesetzt – Schüssler selbst war bemüht sich von der Homöopathie abzugrenzen. ABER es werden dennoch homöopathisch potenzierte Mittel eingesetzt (auch wenn diese für die Verwendung als Schüssler-Salz meist auf einen tablettenförmigen Träger statt auf Kügelchen aufgebracht werden – die Wirkstoffe bleiben die Gleichen). Und diese sollen nun im Körper nicht mehr nach Hahnemanns sondern nach Schüsslers Prinzipen wirken. Wer findet den Fehler? Woher soll der Körper wissen, dass dieses Mittel nun ein Schüsslersalz und kein homöopathisches Mittel ist? Homöopathie ist es erst dann, wenn ein potenziertes Mittel auch nach den Regeln der homöopathischen Kunst angewendet wird. Und das bedeutet: nach einer ausführlichen Erstanamenese vor Ort wird EIN passendes Mittel anhand der Symptome des Patienten herausgesucht. Noch wichtiger als das ist aber die fachgerechte Fallbetreuung NACH dieser ersten Verordnung.

Wir halten also fest: die Wirkung eines Schüssler-Salzes im Körper bleibt die Gleiche wie es bei einem homöopathischen Mittel in den entsprechenden Potenzen (D6 und D12) der Fall ist. Das heißt, ob es wirkt oder nicht, bleibt bei einer Selbstverordnung nach „bewährten Indikationen“ gerade bei schon länger bestehenden Leiden, ohne ausführliche Anamnese durch einen Homöopathen ein Glücksspiel:

  • Wenn ein Mittel gar nicht zum Patient/den Symptomen passt wird auch nichts passieren. Das Mittel kann nichts hervorrufen, was nicht in irgendeiner Form schon im Körper vorhanden ist.
  • Passt es nur teilweise auf einige körperliche Symptome, dann kann es sein, dass diese zunächst „verschwinden“ (was ja dem gewünschten Effekt am Nächsten käme). Hier hat man aber keine Heilung erreicht. Es handelt sich um eine reine Symptomunterdrückung und kann sogar zu einer Verschiebung der Symptome auf eine tiefere Ebene führen. Ja – auch das ist mit potenzierten Mitteln möglich.
  • Liegt man mit der Mittelwahl „knapp daneben“, wird es Prüfsymptome hervorrufen (das heißt, der Patient bekommt plötzlich Beschwerden, die nichts mit seiner ursprünglichen Erkrankung zu tun haben). Der Laie denkt vermutlich – „Mist, jetzt hat mein Tier auch Husten zu seinen ursprünglichen Beschwerden bekommen“ Dieser Husten im Zusammenhang mit der Mitteleinnahme wäre für einen Homöopathen der den Fall betreut jedoch Hinweis auf ein besser passendes Mittel.
  • Aber selbst wenn das Mittel zufällig das Passende für Beschwerden und Patient ist, nimmt man es in den üblichen niedrigen Potenzen (D6 oder D12) ständig unverändert und trocken (also als Globuli/Tablette) immer wieder ein, kann es eine heftige Erstverschlimmerung (Verstärkung der körperlichen Symptome) geben. Da man die Potenz der Mineralsalze während der Behandlung nicht verändert, bleibt man leider an dieser Stelle der Behandlung „hängen“ und damit kann es nie zu einer wirklichen Heilung kommen, OBWOHL das Mittel theoretisch passen würde.

Also bitte Vorsicht bei der eigenmächtigen Anwendung von potenzierten Mitteln (egal nach welchem Prinip). Man kann das 3-4 mal versuchen, wenn dann keine Besserung der Symptome eintritt (oder das Symptom dazu neigt immer und immer wiederzukehren) – bitte entweder Tierarzt oder Tierhomöopath hinzuziehen.

Wie oben schon erwähnt wird ein Tierhomöopath aufgrund der Symptom-Kombination ein Mittel auswählen, dass so viele Symptome wie möglich und vor allem auch die psychischen Aspekte des Falles im Mittelbild abdeckt. Ob das Mittel wirklich passt sieht man allerdings erst während der Einnahme und aus der Reaktion des Patienten. Ein passendes Mittel löst NICHT die körperlichen Symptome zuerst (es sei denn, es handelt sich um lebensbedrohliche) sondern es bessert, besonders in chronischen Fällen, zunächst Wohlbefinden und Energie des Patienten.

Ihr seht – leider ist die Homöopathie eine komplexe Angelegenheit. Wie man die Reaktionen auf eine Mittelgabe deutet und wie man Mittel, Eingabemenge und -höhe darauf anpasst, wie man eine Symptom-Verschiebung erkennt und wie man damit umgeht, lernt man während einer Fach- oder Zusatzausbildung in klassischer Homöopathie (meist 3- bis 4-jährig).

Es ist daher auch allzuverständlich, dass Therapeuten immer und immer wieder versuchen die Homöopathie zu „vereinfachen“. Leider verstümmelen diese Versuche nur eine tolle wirklich ganzheitliche Therapieform und führt oft dazu, dass enttäuschte Selbstbehandler meinen die „Homöopathie“ würde nicht wirken. Schlimmer noch, wenn begeisterte Selbstbehandler die Symptome ihres Tieres über Jahre unwissentlich unterdrücken und auf tiefere, lebenswichtigere Organsysteme verschieben (typische Abläufe sind wegbehandelte Hautsymptome die zu Atemwegs- oder Darmproblemen werden).

So und nun? Ich rate vom Gebrauch der Schüssler-Salze ab. Lieber sollte man sich für akute Fälle ein vernünftiges Buch und eine kleine Hausapotheke in C30 zulegen (auch dieses Thema wird als eines der Nächsten hier aufgegriffen) und aus der Fülle von homöopathischen Mitteln dasjenige heraussuchen, welches am Besten zu den vorhandenen Symptomen passt. Hilft es nach der 3. -4. Einnahme nicht, dann passt es nicht und sollte abgesetzt werden.

In diesem Sinne – ich hoffe, ihr und eure Fellnasen bleibt gesund!
Eure Yvonne

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