Arnica präventiv vor Operationen?

Aus gegebenem Anlass möchte ich meine Gedanken zu diesem Thema mit euch teilen: Immer öfter begegnen mir in Online-Foren oder -Gruppen für Tierhalter einschlägige homöopathische Empfehlungen. Das betrifft vor allem Themen wie die Angst vor Operationsfolgen, vor Impfschäden oder nach einer Wurmkur oder Antibiose, ein “vergiftetes” Tier zu haben. Die Empfehlungen gegenüber diesen ratsuchenden Tierhaltern lesen sich oft so: „Mir wurde gesagt Mittel X soll bei Impfungen helfen“ oder „wir geben immer Mittel Y nach einer Antibiotika-Behandlung zur Entgiftung“ oder „Vor einer Operation hilft Mittel Z“.

Meine Meinung dazu: Bitte keine pauschalisierten und schon gar keine vorbeugenden Gaben von homöopathischen Mitteln. Warum nicht? Das will ich hier erklären. Und zwar zunächst anhand des Beispiels Arnica vor Operationen.

Um zu verstehen warum das nicht pauschal funktionieren und im schlechtesten Fall sogar schaden kann, müssen wir uns zunächst zwei Bereiche aus der Theorie der Homöopathie ansehen:

1. Woher weiß man wogegen ein homöopathisches Mittel eingesetzt werden kann? Ein potenziertes Mittel wird vor seiner fachgerechten Anwendung mehreren Arzneimittelprüfungen unterzogen. Diese funktionieren so: Um herauszufinden welche Heilwirkung ein potenzierter Ausgangsstoff hat, wird er an freiwilligen, gesunden Menschen verschiedenen Alters, beiderlei Geschlechts geprüft. Dazu nehmen die Probanden das Mittel mehrfach ein und notieren genau welche Symptome sich unter der wiederholten Einnahme des Mittels entwickeln und wie diese sich durch äußere Einflüsse verändern (Kälte/Wärme, Tageszeit, Ruhe/Lärm usw.). Die Ergebnisse werden geordnet in die das wichtigste Arbeitsmittel des Homöopathen, die Materia Medicae (Arzneimittellehren) und die Repertorien (dem Symptomverzeichnis) übertragen. Mit Hilfe dieser Bücher (bzw. der mittlerweile zum Glück digitalisierte Symptomverzeichnisse) kann der Homöopath dann später das Mittel heraussuchen, welches die meisten Symptome seines jeweiligen Patienten (aus dem körperlichen und dem seelischen Bereich) abdeckt.

2. Wie wirkt ein gut ausgewähltes Mittel? Ein homöopathisches Mittel kann man sich wie ein Spiegelbild vorstellen. Es hält dem Körper die Gesamtheit seiner Symptome (nicht nur die körperlichen sondern auch die seelischen) vor, indem es eine Arzneikrankheit (auch als Erstverschlimmerung bekannt) erzeugt, die im besten Falle (bei einer gut gewählten Potenz) nur ein winziges bisschen stärker ist, als die im Körper vorhandenen Symptome. Der Zweck dieser Arzneikrankheit ist, dem Körper einen kleinen Schubs in die richtige Richtung zu geben, nach dem Motto: „Hey schau mal – diese Probleme gilt es zu beseitigen“. Dies regt die Selbstheilungskraft an. Ein homöopathisches Mittel ist also eigentlich nur eine Hilfe zur Selbsthilfe.

Kurzgefasst: Ein homöopathisches Mittel ist auch beim gesunden Tier oder Menschen in der Lage Symptome zu erzeugen, gegen die es beim erkrankten Tier helfen kann. Bei sehr empfindlichen Menschen oder Tieren kann bereits eine einmalige Einnahme eines Mittels zu solch einer Arzneimittelkrankheit führen. Aber sind es nicht gerade die empfindlichen Tiere, die der besorgte Halter vor den möglichen Folgen medizinischer Eingriffe schützen will?

Georg M. Kissling, ein Schweizer Homöopath, äußert sich in seinem Vortrag „Homöopathie vor und nach chirurgischen Eingriffen“ so dazu: „(…) der Erfolg der homöopathischen Begleitung wird davon abhängen, ob spezifische Mittel verabreicht werden oder bloß allgemeine, wie z. B. Arnika, denn wenn Arnika nicht spezifisch ist und nicht den Patienten in der Gesamtheit seiner Symptomatik abdeckt, wird es vielleicht sogar Schaden anrichten, da das Mittel, wenn es nicht passt auch nicht hilft und für den Patienten so der Heilungsreiz ausbleibt.“

Vielleicht fragt sich jetzt der Ein- oder Andere wie denn ein homöopathisches Mittel bitte einen Schaden anrichten kann. Hier verweise ich nochmal nach oben, auf den Text unter “Kurzgefasst”. Und jetzt schauen wir uns mal einige spezifische Symptome Arnikas an:

Arnika hat in seinem Arzneimittelbild unter anderem die folgenden Symptome: „Bett fühlt sich hart an (…) rutscht von einer Stelle zur anderen, auf der Suche nach einem weicheren Platz“, „Nervös, der ganze Körper ist überempfindlich“, „Körperlich ruhelos“, „Schlaffe Blutgefäße, schwarze und blaue Flecken“, „Bewirkt Stase (Anm. = Stauung) im venösen System“

Wenn wir uns mal nur diese Symptome, als Arzneikrankheit, nach der gut gemeinten, aber unpassenden prophylaktischen Gabe Arnika vor einer Operation vorstellen, könnte das z.B. so aussehen: Der Halter gibt, auf mehrere Gruppenempfehlungen hin, Arnika C30 zweimal an den letzten zwei Tagen vor der anstehenden Operation. Er beobachtet zwar, dass sein Tier ungewöhnlich unruhig ist, (der Hund hechelt und läuft unruhig in der Wohnung herum, die Katze scheint die ganze Nacht keinen bequemen Platz zu finden und Stallbesitzer erzählt, dass das Pferd in der Nacht unruhig in der Box herumgescharrt habe) aber –  das kann ja mal passieren. Man schiebt es darauf, dass die Aufregung sich wohl vom besorgten Halter auf das Tier übertragen habe, oder so. Der Tag der OP ist nun gekommen. Die OP ist erfolgreich, der Operateur beobachtet zwar eine etwas stärkere Blutungsneigung bei dem Tier, als es gewöhnlich der Fall ist, jedoch misst er dieser Beobachtung keinerlei größere Bedeutung zu. Da es nicht zu lebensbedrohlichen Komplikationen kam, berichtet er auch dem Halter nichts davon.

Was haben wir mit der Gabe erreicht? Der Halter ist vielleicht der Meinung, die Homöopahtie hätte gar nichts bewirkt, vielleicht meint er aber auch, dem Pferd was Gutes getan zu haben – schließlich ist die Operation doch geglückt! Die nächtliche Unruhe und die Nervosität wird er als Laie nicht mit der Gabe des homöopahtischen Mittels in Verbindung bringen. Der Operateur hat den Halter nicht darauf hingewiesen, dass das Tier unter der Operation stärker geblutet hat, als es allgemein der Fall ist – schließlich gab es keine lebensbedrohliche Blutung und am Ende alles gut gegangen. Aber was ist mit dem Tier? Hätte man ihm nicht Unruhe, Angst und Nervosität ersparen können und dem Körper den erhöhten Blutverlust?

Deshalb, und auch, wenn es in den meisten Fällen gut ausgeht, bin ich der Meinung, man muss doch einen Körper, der sowieso schon eine Operation verarbeiten muss, nicht auch noch durch eine unnötige Arzneimittelgabe belasten. Jetzt könnte man sagen – naja so ein konstruiertes Beispiel, das kann sich ja jeder ausdenken. Ich habe jedoch selbst schon mehrfach beobachten können wie eine einfache homöopahtische Arnikagabe zu tagelangen Unruhezuständen geführt hat. Die Gabe eines auf den Gesamtzustand passenden Mittels konnte die Unruhe stoppen. Eine Kollegin, die wärend ihrer Ausbildung selbst bei Operationen zugegen war, denen eine gutgemeinte prophylaktische Gabe Arnika vorausging, hat in mehreren Fällen eine erhöhte Blutungsneigung festgestellt. Daraufhin wurde diese Vorgehensweise eingestellt.

Anders liegt der Fall natürlich wenn das Tier tatsächlich ein “unruhiger Typ” ist, ängstlich, sich nicht gerne berühren lässt, sehr schmerzempfindlich und bei jeder Verletzung relativ stark und lange blutet. Wenn hier eine Operation ansteht ist, kann eine einmalige (!) Gabe Arnika vor einer Operation diese tatsächlich erleichtern und Blutungen im Rahmen halten.
Was kann der besorgte Halter denn tun, um seinem Tier eine anstehende Operation/die Heilungsphase zu erleichtern? Natürlich fördern optimierte Haltungs- und Fütterungsbedingungen das Wohlbefinden und damit die Gesundheit im Allgemeinen. Hat das Tier gesundheitliche Probleme kann eine individuelle homöopathische Mittelgabe eine anstehende Operation erleichtern, vielleicht (rechtzeitig eingesetzt) sogar überflüssig machen (das ist die eigentliche Prophylaxe die man homöopathisch erreichen kann). Welches Mittel das Passende in dem jeweiligen Fall ist, kann euch euer Tierhomöopath (oder Tierheilpraktiker mit homöopathischer Zusatzausbildung) nach einer vernünftigen Anamnese vor Ort sagen. Er ist auch in der Lage den Heilungsverlauf zu beurteilen und die Mittelgabe entsprechend der Reaktion des Tieres anzupassen.

yvonnebach

Yvonne Bach. Gesundes Futter und Tierhomöopathie.

Ich bin Yvonne Bach, Tierhomöopathin und Gründerin des Tierhomöopathie-Blog. In meinem Hofladen (77866 Rheinau) verkaufe ich BARF-Fleisch und Zusätze, unbehandelte Kauartikel aber auch hochwertiges Fertigfutter für Hunde und Katzen.

Futterberatungen und Barf-Planerstellungen biete ich regional und überregional per E-Mail-Kontakt an.

Schreib mich gerne an:
y.bach@tierheilpraxis-rheinau.de
Mehr Infos unter www.tierheilpraxis-rheinau.de


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